Biodanza – Poesie der Begegnung

Sich wie ein Kaiser-Kronen-Kranich in die Lüfte erheben, majestätisch-leicht, alle menschlichen Erschwernisse hinter sich lassen; im Tanz den eigenen Schätzen begegnen und diese zunehmend entfalten helfen, das will Biodanza.

In den 1960er Jahren entwickelte der chilenische Anthropologe, Soziologe und Künstler Rolando Toro diese wundervolle Methode, die seitdem die Welt im besten Sinne einnimmt und von einer ständig wachsenden Zahl von Biodanza-Leiter verbreitet und zunehmend weiter entwickelt wird. Vor mehr als 30 Jahren brachte Cristina Arrieta Biodanza nach Deutschland und gründete die erste Biodanza-Schule in Hamburg. Inzwischen gibt es zehn Biodanza-Schulen allein in Deutschland.

Biodanza stützt sich auf ein sehr positives Menschenbild, wonach wir mit einem unermesslichen Schatz an Potenzialen geboren werden. Leider entwickeln wir aber im Laufe unseres Lebens nur wenige dieser Schätze, manche verkümmern oder werden durch verschiedenste Ereignisse sogar regelrecht verschüttet. Biodanza will uns helfen, diese Potenziale wieder in unser Leben zu integrieren und somit ein höheres Maß an Lebendigkeit zu leben.

Musik, Bewegung und die Gruppe bilden die Zutaten, aus denen die Vivencia (span. Erleben, mit der zusätzlichen Bedeutung im Biodanza: Tanzsession) komponiert wird. Wir Biodanza-Leiter verstehen uns als Ermöglicher (es gibt kein geeigneteres Wort für das spanische facilitador) in dem Sinne, dass wir jeden Tanz als Einladung an die Teilnehmer der Vivencia verstehen, die wir verantwortungsvoll begleiten wollen. Jeder ist eingeladen, in jedem Tanz den für ihn passenden Ausdruck zu finden. Es geht  im Biodanza anders als in vielen anderen Tanzmethoden nicht darum, richtig oder schön im ästhetischen Sinne zu tanzen.  So können sich die Tänzer in einem geschützten Raum ohne Bewertungen erleben, wo sie sich und anderen begegnen dürfen. Über das passende Maß an Intensität der Bewegung oder Tiefe des Kontaktes zu den anderen Menschen entscheidet jeder jederzeit selbst.

„Mit dem Herzen sprechen, mit dem Herzen hören, mit dem Herzen tanzen; in Kontakt sein, sich und anderen begegnen.“ Hierfür sind Worte nicht unbedingt förderlich, manchmal trennt uns das Reden eher von den Empfindungen. Insofern reden wir im Biodanza sehr wenig. Eine Vivencia beginnt trotzdem mit einem „Tanz der Worte“, bei dem alle eingeladen sind zu einer Art sharing: eine Momentaufnahme der Befindlichkeiten, die nicht notwendigerweise bei jedem fröhlich und leicht ist, weil man vielleicht gerade traurig, ängstlich oder wütend ist. In jedem Fall entsteht so ein gemeinsamer, facettenreicher Schatz der Gruppe, die anschließend miteinander tanzt.

Das Gemeinsame wird im folgenden Kreistanz noch mehr sichtbar. Es folgt im weiteren Verlauf der Vivencia eine Abfolge von Tänzen, die allein, zu zweit oder auch mit mehreren Leuten getanzt wird. Hierbei folgen die Tänze einer Art Spannungskurve, die von aktivierenden, sich in der Bewegung steigernden Tänzen nach einem Höhepunkt zu immer ruhigeren Tänzen führt. Jetzt findet die Bewegung mehr im Inneren der Tänzer statt. In dieser Phase kann dann potenziell Heilung, Wachstum und Weiterentwicklung stattfinden.

 

Gegen Ende der Vivencia wird wieder etwas aktiviert, bis der gemeinsame Kreistanz die Reise wieder abrundet. Häufig ist während der zwei Stunden eine Gemeinschaft entstanden, zu der wir im täglichen Leben nicht so leicht finden. Sanft wie ein Kornfeld in der Sommerbrise zu wiegen und trotzdem wie eine einzelne Ähre in der Gemeinschaft zu sein, gemeinsam mit Menschen, die man bisher auf dieser Erfahrungsebene wenig kannte, ist ein Beispiel für einen tief gehenden Tanz. Um in diesem Bild zu bleiben: Jede Ähre ist autonom und selbstbestimmt, auch was das Maß an Kontakt angeht.

 

Mir ist es als facilitador wichtig, bei den Anleitungen in der Vivencia mit einer bildlichen und poetischen Sprache zu arbeiten. Dies erleichtert das Eintauchen in eine andere Welt und kann somit das Erleben vertiefen. So tanzen wir beispielsweise manchmal im Liegen und berühren den Himmel, so dass unsere Arme mit den Sternen tanzen. In anderen Momenten können die TänzerInnen eingeladen werden, absolut feurig und kraftvoll wie ein Tiger zu sein oder geschmeidig wie eine Schlange zu tanzen, um irgendwann später in einem stillen Kreis zu ruhen und sich ganz dem Frieden und der Geborgenheit hinzugeben.

 

Man braucht keinerlei Voraussetzungen für Biodanza, so dass diese Methode auch für (vermeintlich) unmusikalische und tanzscheue Menschen gut geeignet ist. Als Biodanza-Leiter finde ich es immer wieder beglückend zu sehen, wenn Menschen sich entfalten und zunehmend in Kontakt mit ihrer Lebensfreude finden. Ein Licht, welches immer da war, beginnt zu strahlen; Leichtigkeit, Fülle und Genuss dürfen sich (wieder) ausbreiten.

 

Ich weiß noch gut, wie es mir vor mehr als fünfzehn Jahren nach meiner ersten Vivencia ging: Ich schwebte regelrecht nach Hause! Ich hatte erfahren, dass die ausgesprochen vielfältige Musik, die die Grenzen jedes Genres überwindet, wie auch die unterschiedlichsten Tänze irgendwie in Resonanz mit mir getreten sind. Diesen Zauber wollte ich vertiefen und darüber hinaus auch in die Welt bringen. Ich absolvierte die 3jährige Ausbildung bei Cristina Arrieta. Seit 2007 leite ich eine wöchentliche Gruppe in Münster. Seit Januar 2011 gibt es Biodanza-Urlaube auf Spiekeroog und anderen schönen Orten (Teneriffa, Korfu, Andalusien). Zunehmend mehr erlebe ich, dass Biodanza auch mich dabei unterstützt, die eigenen Träume zu leben.

 

Grundsätzlich ist Biodanza geeignet für Menschen jeden Alters mit unterschiedlichsten Bewegungsmöglichkeiten. Zunehmend positiv wird das Potenzial dieser Methode auch für die Integrationsarbeit jeglicher Ausrichtung beurteilt. Eine wachsende Zahl von Kliniken bietet Biodanza zur allgemeinen Rehabilitation wie auch speziell zur Behandlung von psychischen Störungen an. In angepasster Form ist Biodanza geeignet für Altenheime wie auch Kindergärten. Ich selbst erprobe seit einiger Zeit eine von mir modifizierte Form als lifedance® an verschiedenen Schulen mit ermutigend positiven Erfahrungen bei Jungen wie Mädchen.

 

In meinen  Gruppen sind Menschen willkommen, die sich im weitesten Sinne bewegen und begegnen wollen. Zusätzlich biete ich einzeln stehende thematische Biodanza -Workshops  an sowie mehrmals im Jahr Biodanza-Urlaube: „“Ich liebe das Leben!“, Leichtigkeit, Fülle & Genuss …, „Segel setzen! Vertrauen, Mut Hoffnung, Träume …“, „Mut, den eigenen Weg zu gehen!“ „… und das Leben wird immer leichter!“.